Konfirmationen in St. Johannis am 8. und 15. April 2018

St. Johannis

Predigt:
Diakon Günter Neidhardt

"Vertraut den neuen Wegen"

Liebe Festgemeinde, und ganz besonders liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! 

Das ist ja euer Tag heute. Endlich. Zu früheren Zeiten war der Konfirmationstag ja ein wirklicher Einschnitt auf dem Lebensweg der jungen Menschen. Er markierte (zumindest in den allermeisten Fällen) den Übergang von der Schule in den Beruf. Mit 14 Jahren begann man eine Lehre, nur die wenigsten besuchten eine höhere Schule. DAs ist heute längst nicht mehr so. Einen Abschnitt auf dem Lebensweg markieren das Konfirmationsalter und die Konfirmation aber auch. Mit 14 wird man strafmündig, ihr dürft im Herbst den Kirchenvorstand wählen. Mit 14 ist man kein Kind mehr. Mehr und mehr übernehmt ihr selbst die Verantwortung für euer Leben und für die Entscheidungen die auf dem Lebensweg zu treffen sind. So wie heute. Es ist ja eure Entscheidung sich konfirmieren zu lassen und ja zur eigenen Taufe zu sagen. 

Für die Eltern bedeutet es aber auch: Mehr loslassen, mehr Freiheit gewähren, eigene Entscheidungen unserer großen 

„Kinder“ zu akzeptieren. Ja, auch wenn das Loslassen unserer Kinder ja schon mit der Geburt beginnt, und der sogen. Ernst des Lebens wohl auch markiert die Konfirmation und das Konfirmationsalter schon einen besonderen Abschnitt. 

Und dazu gehört dann elternseits sicher auch die Sorge, dass unser Jugendlicher nicht auf falsche Wege, die schiefe Bahn, auf Abwege gerät. Und auf der Konfirmandenseite, da gibt es doch Sorgen, vielleicht Ängste. Wie soll ich mich entscheiden. Wie soll ich mich zurechtfinden im Chaos der Angebote, besteht nicht die Gefahr mich selbst zu verlieren. Wieviel Verantwortung kann ich (schon) tragen? 

Wohin geht es? Das Leben. Woran kann ich mich orientieren, auf dem Lebensweg. 

Wegweiser gibt es viele, vielleicht sogar zu viele. Nimm die breite Straße sagen die einen. Mainstream: Schule evtl. Studium, Beruf, Familie, Haus bauen….. Keine Experimente. Vielleicht nicht gerade spannend aber scheinbar sicher (auch wenn wir genug Gegenbeispiele kennen). 

Und dann der andere Wegweiser: Verlass die ausgetretenen Pfade, wage etwas Neues, mach eine Abzweigung auf dem Lebensweg. Wegweiser aber bleiben stehen und selbst das Navi nütz mir nichts, wenn ich das Ziel nicht eingeben kann. 

Wer geht mit? 

Unser Predigttext, den wir eben gehört haben, bietet so etwas wie eine Orientierung, Wegweisung. „Geht durch die enge Pforte, der Weg Verderbens ist breit“ so haben wir es gehört. Diese Worte Jesu stehen am Ende seiner sogenannten Bergpredigt. Das ist so etwas wie das Manifest Jesu, sein Programm. Orientierung für und über Wichtiges und Unwichtiges. „Geht durch die enge Pforte, der Weg Verderbens ist breit“ 

Ja, es gibt viele Möglichkeiten seinen Lebensweg zu gehen, aber viele dieser Möglichkeiten, die rechts und links der breiten Straße locken, führen nicht zum Leben. Der Weg zum Leben führt durch die schmale Pforte. Leben, echtes Leben, das ist das Ziel. Leben, das heißt leben in guter, in heiler Beziehung zu Gott, in guter, heiler Beziehung zu meinen Mitmenschen und in guter heiler Beziehung, im Einklang mit mir. In ein Navi wird man so ein Ziel nicht eingeben können (die meisten Angebote die an der breiten Straße liegen wohl meistens schon). Leben in dreifacher Beziehung. Das ist das Ziel, das es sich lohnt anzusteuern. Sich auf den Weg zu machen. 

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, auf eurem Liedblatt haben wir ein Bild abgedruckt. Das gleiche Bild werdet ihr später auf euren Konfirmationsurkunden finden. 

Schaut euch das Bild doch bitte mal genau an. Ein Labyrinth. Angelehnt an die Form des uralten 5000 Jahre alten kretischen Labyrinths. Wobei, eigentlich ist es gar kein Labyrinth, das wir als Irrgarten bezeichnen, in dem man sich verlaufen kann. Wenn ihr den Weg durch dieses Labyrinth geht (vielleicht mit dem Finger nachfahrt), können wir feststellen, dass es nur einen Weg gibt, der in die Mitte führt. Zum Ziel. Zur heilen Beziehung zu Gott, den Mitmenschen und zu mir. In die Mitte, symbolisiert durch das Kreuz Christi. 

Mich spricht diese Bild mit dem labyrinthischen Lebensweg sehr an. Sagt es mir / uns doch: Nicht gerade verläuft unser Weg durch Leben. Vielmehr in Bögen und Kurven. Abkürzungen gibt es nicht. Der ganze Weg muss gegangen werden. Nichts kann ausgelassen werden, viele Erfahrungen sind zu machen. Gute und Schlimme. Das gehört dazu. Gehört zum Leben. 

Wenn wir diesen Labyrinthweg gehen, dann werde wir feststellen, dass wir dem Zentrum, dem Ziel oft ganz nahe kommen. Und wenn wir glauben, dass das Ziel gleich erreicht ist, ist da noch ein Bogen und der Weg entfernt sich wieder von der Mitte. 

Das kennen wir doch auch. Da denke ich habe mein Ziel erreicht und im nächsten Augenblick tappe ich im Dunkel. Manchmal bin ich mit Gott, meinen Mitmenschen und mit im Reinen und dann zerbricht ein Beziehung, ist nichts mehr wie es war. Nein, eine breite Straße ist unser Leben nicht. Umgekehrt gilt aber auch – und auch das erschließt sich in dem Bild- , manchmal wähne ich mich weit Weg vom Zentrum vom Kreuz, von Gott und dann führt mich der Weg ganz plötzlich wieder ganz nahe zu ihm. Mit dem Glauben ist es nicht anders. Vertrauen und Zweifel, hoffen und bange sein, gewiss und ängstlich. 

ABER: Das kann ich versprechen, euch allen zusagen, besonders euch, liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen. Mit eurem Bekenntnis zu Gott, heute, bekennt er sich zu euch! 

Vielleicht kennt ihr diese kleine Geschichte schon. Ich erzähle sie trotzdem noch mal: „Ich hatte einen Traum“ so heißt es, „in dem ging ich mit Gott durch die Wüste. Im Sand drücken sich 4 Fußabdrücke ab. Es kam eine Zeit in der es mit sehr schlecht ging. Ich fühlte mich elend, verlassen. Da sah ich im Traum nur zwei Fußabdrücke. Ich rief zu Gott: Wo warst du als es mir so schlecht ging. In meiner größten Not waren nur zwei Fußabdrücke zu sehen. Und Gott antwortet: Das war die Zeit, als ich dich getragen haben“. 

Es ist eine gute, eine tröstende Vorstellung, geleitet zu sein, getragen zu sein, Orientierung zu haben um am Ende vielleicht sogar zu erkennen: Auch die Umwege hatten ihren Sinn. Ihr geht heute einen wichtigen Schritt auf eurem Lebensweg. Vergesst das Ziel nicht, dann kann man auch mal Umwege gehen. Während der Vorbereitung auf die Konfirmation, habt ihr einiges auswendig gelernt. Sicher, manches werdet ihr auch wieder vergessen, vielleicht später wieder hervorkramen. 

Einen kurzen zentralen Bibelvers solltet ihr behalten. Er gibt die Orientierung, ist der Wegweiser zum Ziel, ist das Ziel. Kennt ihrs noch? Math. 22, 37-40: 

Jesus spricht: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. 

AMEN 

Kanzelsegen 

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