Gottesdienst in St. Johannis am 8. Sonntag nach Trinitatis - 22. Juli 2018 - Silberne Konfirmation

St. Johannis

Predigten:
Diakon Günter Neidhardt,
Pfarrer
 Jörg Mahler

"Das Salz der Erde"

Predigttext: Matthäus 5,13-16

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. 

1. Teil: SALZ (Diakon Günter Neidhardt)

Liebe Gemeinde und ganz besonders liebe Silberne Konfirmanden! 

„Es war einmal……“, mit diesen Worten beginnen die meisten Märchen. „Es war einmal, damit beginnt auch das Märchen von der Salzprinzessin, das ich euch in groben Zügen zu Beginn der Predigt erzählen möchte. 

Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter, die er über alles liebte. Antonia, Martha und Marie. Der König war schonrecht alt und überlegte sich, wem seiner Töchter er einst die Königskrone übergeben würde. Und so fragte er sie, einzeln: „Wie lieb hast du mich“. Antonia antwortete: „Ich liebe dich mehr als Gold“. Martha sagte: „Ich liebe dich mehr als mein Brautgeschmeide“ und Marie antwortete schließlich: „Ich Vater, liebe dich wie……..Salz“. Diese Antwort kränkte den König zutiefst. „Was, nur wie gewöhnliches Salz, komm mir erst wieder unter die Augen, wenn Salz wertvoller ist als Gold und Edelsteine“ und er verbannte seine jüngste Tochter aus dem Schloß. 

Dort wurde hinfort gefeiert und geschlemmt. Marie aber fand Zuflucht bei einer alten Frau und diente ihr fleißig. Diese alte Frau war natürlich eine gute Fee, die Maries Schicksal erkannte. Und so geschah es, dass im ganzen Land das Salz ausging. Plötzlich waren die Festessen im Palst fade und geschmacklos. Der Koch konnte das Salz durch nichts ersetzten. Für kein Gold und für keine Edelsteine der Welt war Salz zu bekommen. Der König wurde davon krank. 

Ihr ahnt wie es weitergeht. Marie beendete ihren Dienst bei der Fee und bekam zum Abschied ein Säckchen Salz und einen Zauberstab und ging damit zum Schloß ihres Vaters. 

Mmh, das muss dem König geschmeckt haben, als er endlich wieder ein paar Körnchen Salz auf sein Butterbrot streuen konnte. Und natürlich bestimmte er Marie zu seiner Nachfolgerin, zumal ihr der Zauberstab auch noch ein unterirdischen Bergwerk öffnete mit einem niemals versiegenden Salzvorrat. 

Und wenn sie nicht gestorben sind……. 

Ihr Lieben, warum erzähle ich euch dieses Märchen? Nun, der Predigttext, den wir eben gehört haben spricht ja vom Salz. „Ihr seid das Salz der Erde“, so sagt es uns Jesus zu. Indem ihr euch zu mir bekennt, als Jubelkonfirmanden sage ich heute: Indem ihr euch vor 25 Jahren zu ihm bekannt habt und das heute bekräftigt, seid ihr Salz der Erde. Wenn Jesus uns zusagt: Ihr seid das Salz der Erde, dann erinnert er uns daran, wie 

wichtig und notwendig jeder von uns für diese Erde ist. Und unsere Erde braucht Menschen, die das tun und die dafür einstehen, was Jesus uns vorgelebt hat. Unser Bibeltext gehört zur sogenannten Bergpredigt Jesu. Ein paar Verse vorher macht Jesus deutlich wofür wir Christen einstehen. Barmherzigkeit ist da genannte und Frieden, Gerechtigkeit und Sanftmut. 

Ich habe hier so ein kleines Tütchen Salz mitgebracht (zeigen). Ein Gramm ist das nur und doch kann so ein Gramm aus einer faden Brühe eine schmackhafte Suppe machen. Nur wenig, denn versalzen ist schnell mal etwas. Eine Prise nur, so unscheinbar ist das Salz, so klein und doch so wirkungsvoll, so stark. So stark wie das Salz und so wirkungsvoll können, dürfen wir auch sein. Gott traut es jedem von uns zu, mit seinen Gaben, Fähigkeiten, Möglichkeiten Salz der Erde zu sein. Die „Kraft vollendet sich im Geringen“, so hat es ein großer Theologe einmal ausgedrückt. Gott wirkt im Geringen, vielleicht gerade im scheinbar Geringen, im Kleinen, Unscheinbaren. Auch von uns muss keiner Großes bewegen. Jeder von uns „Salzmenschen“ wirkt aus seine Weise. Würzt oder konserviert, löst, brennt, heilt. Verkehrt wäre es tatsächlich Salz zu sein, das nicht mehr würzt, weil es nur aufbewahrt und nicht eingesetzt wird. 

Jesus sagt: Ihr seid das Salz der Erde. Ich betone das „ihr seid“, nicht etwa ihr werdet sein. Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid wertvoll und notwendig für diese Erde. Und er sagt: Sei das was du bist! Dort wo du lebst, dort entdecke die Kraft, die Gaben, die ich in dir angelegt habe. Entdecke deine Kraft und deine Würze, immer wieder neu. 

Ist das nicht wunderbar? Wir dürfe sein, was wir sind, Wir dürfen mit unserer Würze das Leben bereichern, geschmackvoll machen. Wir, Gottes Kinder sind das #Salz der Erde, von Gott begabte Menschen.

2.Teil  LICHT (Pfarrer Jörg Mahler)

Liebe Jubilare, liebe Gemeinde, 

unser heutiges Bibelwort hat noch einen zweiten Teil, ein zweites Bild, das Jesus verwendet, um uns Wichtiges zu sagen: Ihr seid das Licht der Welt. 

In Kirchen spielt Licht tatsächlich eine große Rolle: jeden Sonntag Kerzen auf dem Altar, und besonders die vielen Kerzen an Weihnachten, in der Osternacht, aber auch am Ewigkeitssonntag. Heute habe ich aber ein anderes Licht mitgebracht: meine Taschenlampe. Eine Taschenlampe ist etwas, das man selten braucht, aber wenn man sie braucht, dann ist sie bitter nötig: z.B. beim Stromausfall zu Hause, oder bei einer Nachtwanderung – vielleicht gabs ja auch bei eurer Konfirmandenfreizeit eine? 

Damit die Taschenlampe aber leuchtet, muss die Batterie aufgeladen sein. Ihr seid das Licht der Welt, sagt Jesus. Damit wir dieses Licht sein können, damit wir leuchten können, müssen wir selbst aufgeladen sein. Und deshalb frage ich: Ist unsere Batterie, unser Akku aufgeladen? Sind wir innerlich hell? Was gibt uns Energie, Helligkeit? 

Z.B. dann, wenn wir Stress auf der Arbeit haben? Wenns mal in der Familie gekracht hat? Wenn wir mit schlechten Schulnoten oder dann der Pubertät unserer Kinder zu kämpfen haben? Oder wenn ganz andere größere Sorgen uns niederdrücken? 

Damals vor 25 Jahren habt ihr „Ja“ gesagt, ja zu Gott. Ja dazu, mit ihm zu leben. Ich weiß nicht, ob euch damals bewusst war, dass Gott so eine Energiequelle ist, dass er unseren Akku aufladen und es im Leben hell machen kann. Ich weiß auch nicht, wie eure Beziehung zu Gott seitdem aussah. Ob ihr mit ihm in engem Gebetskontakt ward bzw. seid, ob ihr ihn aus den Augen verloren habt. Ob ihr Grund hattet, vor Gott zu Klagen. Oder ob ihr vielleicht sogar immer wieder erlebt habt, dass Gott so ein Licht für euer Leben ist. Dass er euch die nötige Kraft gegeben hat, um eure Herausforderung zu bestehen. Dass er euch getröstet und getragen hat. Dass er Euch reich gesegnet, viel Gutes geschenkt hat. Oft sagen wir wenn etwas gelingt: das war Zufall. Manchmal aber ist das Wort „Zufall“ nur ein Pseudonym für Gott. Als Christen müssen wir immer wieder neu lernen, unser Leben mit den Augen des Glaubens zu sehen. 

Kerzen spielen in der Kirche eine große Rolle: Sie verweisen auf den, der das Licht ist. Oder im Bild dieser Taschenlampe gesprochen: Die Energie für den Akku, um selbst zu leuchten, die schenkt uns Gott. 

Für unsere Batterien haben wir zu Hause ein Ladegerät. Auch uns selbst müssen wir an den Energiefluss anschließen, und wie das geht, ist ganz einfach: immer wieder und regelmäßig die Hände falten und Gott sagen, was uns bewegt. Und durchaus auch ab und an die Bibel aufschlagen, und sich durch die biblischen Geschichten inspirieren lassen für sein eigenes Leben. Da sind nicht nur schöne Geschichten, die haben auch wirklich die Kraft, etwas in uns zu bewegen. Heute seid ihr eingeladen, euch neu zu Gott zu bekennen, neu zu ihm „Ja“ zu sagen, und damit zu der Licht- und Energiequelle für euer Leben. Heute seid ihr eingeladen, neu ja zu sagen, und ihr seid eingeladen, jeden Tag eures künftigen Lebens diese Energiequelle anzuzapfen. Und wir werden Euch heute neu den Segen Gottes zusprechen: Und diesen Segen könnte man als „Energie pur“ bezeichnen, das sind Worte, mit denen sich Gott verbindet und zu Euch in euer Leben kommt und dort wirkt. Und Abendmahl feiern wir heute wieder wie damals: Brot und Wein werden zum Zeichen der Gegenwart Gottes. Soviel Licht und Energie bekommt ihr heute. 

Damit es in euch hell ist. Und damit ihr selbst leuchten könnt, denn Jesus sagt: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.“. Also: wir sind Licht, weil Gott uns erleuchtet. Haltet dieses Licht nicht zurück. Lasst es leuchten, sagt Jesus. 

Lasst es leuchten in euren Familien, auch wenns mal Ärger gibt: zeigt Geduld und Liebe, steckt auch einmal zurück, nagelt niemanden auf seine Fehler fest. Lasst es leuchten für den, der traurig ist oder der gerade ganz viel Licht braucht. Lasst es leuchten in eurer Arbeit, gerade auch dann, wenn ein Kollege Finsternis verbreitet. Lasst es leuchten auch für Menschen in der Ferne, in dem ihr im Gebet an sie denkt und ihnen in ihrer Armut beisteht, was z.B. auch ein wichtiges Anliegen unseres Nenochores ist. 

Eine Taschenlampe ist wichtig, nämlich dann, wenn man sie dringend braucht. Auch ihr seid wichtig, wichtig für die Menschen, die euer Licht brauchen. Und ihr werdet merken: Wenn wir selbst Licht ausstrahlen, wird es um uns heller. Und je mehr Menschen das tun, Licht ausstrahlen, umso heller wird es in der Welt. 

Ein letztes sagt Jesus noch dazu: Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. 

Ja, auch das sind Folgen, wenn ihr leuchtet: andere sehen eure guten Werke, merken: So sind Christen. Und lassen sich vielleicht anstecken. Und wir preisen unseren Vater im Himmel, weil wir die Wohltaten, die er uns schenkt, austeilen. Ihn preisen, nicht allein mit Worten, sondern in der Art, wie wir leben. Da freut sich Gott! 

Diakon Neidhardt hat mit einer Geschichte zum Salz begonnen, ich schließe mit einer Geschichte zum Licht: 

„Einer der großen Clowns, Oleg Popov, kann mit seinen Späßen die Zuschauer im Zirkus auch zum Nachdenken anregen. Seine Nummern sind humorvoll, aber auch tiefsinnig und hintergründig. – Der Zirkus ist überfüllt. Die Manege ist noch dunkel. Ein Scheinwerfer geht an und wirft einen winzigen Fleck Licht in das Rund der Manege. Oleg Popov kommt aus dem Dunkel, weiter Mantel, zu große Schuhe, einen kleinen Koffer in der Hand. Er geht auf das kleine Fleckchen Licht zu, nimmt Platz und räkelt sich wohlig im Licht. Das Licht aber wandert weiter, und der Clown sitzt im Dunkel. Er steht auf, nimmt sein Köfferchen und läuft dem Licht nach. Wohlig streckt er sich darin aus, als sei es die wärmende Sonne. Aber wieder geht das Licht weiter. Der Clown hinterher. Aber der Lichtfleck entweicht, und der Clown steht wieder in Dunkel und Kälte. Er läuft dem Licht nach und schließlich beginnt er, es in seinem Köfferchen einzufangen. Es gelingt ihm. Aber nun ist es in der Manege wieder dunkel. Da öffnet der Clown seinen kleinen Koffer und schüttet das Licht in die Manege. Es wird taghell im Zirkus. Die Zuschauer klatschen Beifall. Die Vorstellung beginnt. 

Oleg Popov, ein Mensch auf der Suche nach Licht, nach Wärme und Geborgenheit. Einer wie du und ich. Wir laufen dem Licht nach, möchten uns im Licht wohlig ausstrecken, aber dann ist es wieder weg. Wenn wir schließlich das Licht des Lebens irgendwo finden, dürfen wir es nicht für uns behalten, dann wird es dunkel sein. Wenn wir es aber ausschütten, weitergeben, wird es hell im ganzen Rund unserer Umgebung.“ 

Jesus Christus ist unser Licht und macht es in uns hell. Und er spricht: Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen. Amen. 

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesu. Amen

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