Kirche am Abend in St. Johannis am 28. August 2022

Roland Dier
Bildrechte Fritze

 

Predigt:

Lektor Roland Dier

"Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt"       

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt

Lasst uns in der Stille um den Segen des Wortes beten.

Herr segne unser Reden und hören

Amen

Hören wir was der Prophet Samuel schreibt:
Predigttext 2. Samuel12,1-10.13-15a

Und der Herr sandte Nathan zu David. Als der zu ihm kam, sprach er zu ihm: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt’s wie eine Tochter.

Liebe Schwestern und Brüder,

Wenn der Predigttext so gar nicht zu einem schönen Sommerabend zu passen scheint! So steht es auf dem Plakat für den heutigen Gottesdienst. Das was wir soben gehört haben passt doch aber sehr gut zu einem schönen Sommertag. Da sitz der Schäfer vor seinem Haus. Vielleicht im Kreise seiner Familie. Zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern machen sie Abendbrot. Und wie immer in den letzten Wochen, ist auch heute das Lamm mit dabei. Mich erinnert dieses Bild an ein Erlebnis aus meiner Kindheit. Zu unserem Haushalt gehörten damals auch Katzen. Wie viele es waren wusste keiner so genau. Und deshalb fiel es auch nicht auf wenn mal die eine oder andere verschwunden ist. War es aber eine Katzenmutter waren da plötzlich die kleinen Kätzchen, die ohne sie verhungert würden. Wenn, ja wenn da nicht meine Großmutter gewesen wäre. Mit ihr zusammen haben wir Kindern die kleinen Katzen gefütter. In den Fläschen, in denen vorher Liebesperlen waren wurde Ziegenmilch , auch die gehörten zu unserem Haushalt, gefüllt und die Kätzchen gefüttert.

Doch schnell ist dieses Bild zerstört. Zerstört durch den bereits erwähnten reichen Mann.

Der Prophet schreibt weiter:

Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er’s nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war. Und er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: So wahr der Herr lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat! Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.

Ihr Lieben,

so sind sie, wir haben es ja immer gewusst, die Reichen und Schönen dieser Welt. Doch wie hat Henry Ford einmal gesagt: „Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.“ Ich weiß nicht ob der reiche Mann aus unserer Bibelstelle seinen Reichtum wenigstens selbst verdient hat. Ich hoffe es wenigstens. Aber Feste feiern und sich diese von denen bezahlen lassen die nur wenig haben, das geht nun gar nicht. Das ist eine Ungerechtigkeit die zu Himmel schreit.

Ja recht hast du möchten wir David zuzrufen. Er soll für seine Tat bezahlen.

Doch damit ist unsere Geschichte noch nicht zu Ende. Und sie passt immer weniger zu einem schönen Sommertag:

Da sprach Nathan zu David:

Du bist der Mann! So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen in deinen Schoß, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun. Warum hast du denn das Wort des Herrn verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel?

Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durch das Schwert der Ammoniter. Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei. Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt gegen den Herrn. 

Liebe Gemeinde,

erwischt! Doch nicht nur David wurde erwischt – auch uns erwirscht es doch manchmal. Dann nämlich wenn wir vor lauter Empörung über die anderen uns selbst und unser Handeln aus dem Blick verlieren. Und wie oft versuchen wir uns dann heraus zu reden. Wir alle kennen die Sätze die mit den Worten beginnt: Ja aber ....... oder Ich war’s nicht....   Es ist ja so bequem mit dem was andere getan haben das eigene Gewissen zu beruhigen. Und Schnell sind wir dabei unser Urteil zu fällen. Das wenigstens macht David nicht. Er sagt: Ich habe gesündigt.

Und Nathan sprach zu David: So hat auch der Herr deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.

Aber weil du die Feinde des Herrn durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben. Und Nathan ging heim.

Und der Herr schlug das Kind, das Urias Frau David geboren hatte, dass es todkrank wurde.

Jetzt ist es soweit, hier stehen sie also, die Sätze, die nicht zu einem schönen Sommerabend passen.

Happy End? Beileibe nicht!
Es bleiben zwei auf der Strecke: Uria, der Mann der Bathseba, den David heimtückisch umbringen ließ, wird nicht wieder lebendig. Und den gemeinsamen Sohn wird ein früher Tod dahinraffen.
Die Gründe für seinen Tod erscheinen mir dunkel und schwer nachvollziehbar. Schließlich ist das Baby dasjenige, das für die Taten seiner Eltern am allerwenigsten kann. "Aber das ist doch ungerecht!", möchte man sofort protestieren. Was kann den ein Kind für die Verfehlungen seiner Eltern?! Warum muss hier ein unschuldiges Kind für den Fehltritt des Königs büßen? Gott ist ungerecht!

Was soll dieser sinnlose Tod?
Ich habe da keine Antwort – aber zwei Dinge gehen mir zu diesem schlimmen Ausgang der Geschichte nicht aus dem Kopf:

Das Erste: Auch wenn wir von Vergebung reden, die unsere Schuld vor Gott und Menschen aufheben kann, müssen wir mit den Folgen unserer Fehler ein Leben lang umgehen. Und ich bin mir sicher der Tod ihres Kindes hat David und Bathseba schlimmer getroffen als alles andere in ihrem Leben?
Selbst wenn ich einen Menschen, der mir Böses getan hat, vergeben habe, wird uns beiden die Erinnerung an das Geschehene bleiben – und manchmal bleibt da auch noch mehr als nur Erinnerung.
Vergebung kann Schuld tilgen, aber macht die Folgen unseres Handelns nicht automatisch rückgängig.

Das Zweite: Wenn Menschen Fehler machen, sind es oft andere, und oft genug sind es Kinder, die die Folgen tragen müssen. Ob es der Vater ist der sich nach fünf Bier nicht mehr unter Kontrolle hat.
Die Eltern, denen es nicht gelingt, ihre Ehe wieder zu kitten, und sich hinfort nur noch über Anwälte austauschen.
Oder unsere Weltwirtschaft, die nicht danach fragt, ob in 40 Jahren noch genügend Rohstoffe und nicht zuviel Gift auf unserem Globus zu finden sind.

Die Kinder sind leider oft die, die unsere Fehler tragen müssen.

Das Drama um David und Bathseba lehrt mich folgendes:
Gott gibt uns Menschen zwei Dinge, die uns ein  Leben, das nicht immer einfach ist, lang begleiten:
Vergebung aber auch Verantwortung.

Amen

Und der Friede Gottes der höher ist als alle Vernuft  bewahre unsere Herzen und Seelen in Christus Jesus

Amen