Konfirmandenbeichtgottesdienste am 11. und 18. April 2015 in St. Johannis

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St. Johannis

Predigt:
Diakon Günter Neidhardt

"Vom Pharisäer und
dem Zolleinnehmer"

Predigttext: Luk 18,9-14:
Die Beispielgeschichte von dem Pharisäer und dem Zolleinnehmer

9 Dann wandte sich Jesus einigen Leuten zu, die voller Selbstvertrauen meinten, in Gottes Augen untadelig dazustehen, und deshalb für alle anderen nur Verachtung übrig hatten. Er erzählte ihnen folgende Geschichte: 10 »Zwei Männer gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, ein Pharisäer und ein Zolleinnehmer. 11 Der Pharisäer stellte sich vorne hin und betete leise bei sich: ›Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, alle diese Räuber, Betrüger und Ehebrecher, oder auch wie dieser Zolleinnehmer hier! 12 Ich faste zwei Tage in der Woche und gebe dir den vorgeschriebenen Zehnten sogar noch von dem, was ich bei anderen einkaufe! 13 Der Zolleinnehmer aber stand ganz hinten und getraute sich nicht einmal, zum Himmel aufzublicken. Er schlug sich zerknirscht an die Brust und sagte: ›Gott, sei mir Sünder gnädig, ich bin ein sündiger Mensch!‹« 14 Jesus schloss: »Ich sage euch, der Zolleinnehmer ging aus dem Tempel in sein Haus hinunter als einer, den Gott für gerecht erklärt hatte – ganz im Unterschied zu dem Pharisäer. Denn alle, die sich selbst groß machen, werden von Gott gedemütigt, und alle, die sich selbst gering achten, werden von ihm zu Ehren gebracht.«

Liebe Konfirmanden und Konfirmandinnen, liebe Eltern und Familien, liebe Paten, liebe Gemeinde und Angehörige,

Wir haben eben das Gleichnis vom Pharisäer und dem Zolleinnehmer gehört. In dieser Predigt hangle ich mich sozusagen an 3 Sätzen, 3 Stationen, aus dem Bibeltext entlang.

1.Station:

Ich danke dir dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen.

 In einem Taufbecken wie diesem sind vor knapp 14 Jahren die meisten von Euch getauft worden. Denken Sie zurück, liebe Eltern, liebe Paten, an diese Zeit. Und daran, wie sich Ihr Kind und Patenkind seitdem entwickelt hat. Manches wie gewünscht, anderes unvorhersehbar. Sicher gab es auch Höhen und Tiefen. Aber auch viel Grund, dankbar zu sein.

Und Euch liebe Konfis geht es im Rückblick auf Eure Kindheit wohl genauso. Es waren großartige Erlebnisse dabei, tolle Erfahrungen Aber natürlich war nicht immer alles nur Friede Freude Eierkuchen . Es gab auch Zeiten oder Situationen, die nicht so prickeln, nicht so begeisternd war. Hie und da gab es mal einen Rüffel.

Aber Eure Eltern haben für Euch gesorgt ,was mit Euch unternommen. Eure Paten waren Euch verbunden manche mehr manche weniger. Auch viel Ursache zu danken. Man kann und soll diesen Dank an Gott richten. Aber man kann auch mal miteinander reden, sich an schöne Erlebnisse erinnern und sich gegenseitig danke sagen. Da ist so eine Konfirmation mit allem Drum und Dran eine gute Gelegenheit. Das will ich jetzt mal tun und meinen eigenen Dank an Euch hier einfügen: Danke an die Eltern für alle Unterstützung in der Präparanden und der Konfirmandenzeit.

Fahrdienst ins Gemeindezentrum oder in die Kirche oder zur Freizeit, die Elternabende, der wunderschöne Kirchenschmuck. Danke, dass ihr eure großen Kinder durch die Zeit begleitet habt, auch mal angeschubst habt. Danke. Der besondere Dank an die Paten kommt ja später im Gottesdienst noch einmal besonders zur Sprache. Ihr Konfis könnt ja dann ganz ihn persönlich Danke sagen schon mal aussprechen.

Danke auch Euch für die gute Präsenz. Ihr ward da, in den Gottesdiensten, im Unterricht. Danke für ́s mitmachen, eure Fragen, die engagierten Praktika. Natürlich macht lernen von Psalmen und Bibelstellen nicht unbedingt Spaß. Aber ihr habt es gelernt, auch die unter euch, denen das Lernen nicht so leicht fällt. Vielleicht habt ihr sogar akzeptiert, erkannt dass es gar nicht so verkehrt ist, so einen Grundstock an christlichen Basiswissen, Basistexten zu kennen und zu können. Was Jesus nicht will: Dass du dich mit anderen vergleichst. So tut es der fromme Pharisäer in dem Gleichnis, das Jesus erzählt. „Ich danke dir, dass ich nicht so bin wie dieser Zöllner“.

Bei der Taufe wurde jedem und jeder von uns, auch  den Erwachsenen zugesagt: Du bist von Gott geliebt. Jede und jeder, so hat es ein großer Theologe mal gesagt, ist ein eigener Gedanke Gottes. Ich darf Gott natürlich danken, dass er mich so gewollt und so hat werden lassen wie ich bin. Aber ich brauche und ich soll mich nicht mit anderen vergleichen. Nicht weil ich frömmer wäre, wie es der Pharisäer meinte. Nicht weil ich besser aussehe oder in eine höhere Schule gehe. Aber auch nicht, weil ich mich kleiner fühle oder nicht auf ́s Gymnasium gehe oder irgendwas nicht so gut kann.

Du bist du, ein einzigartiger Gedanke Gottes.

2. Station: „Gott sei mir Sünder gnädig.“

Der Zöllner in der Geschichte sieht auch seine Schattenseiten. Zöllner waren damals oft Halsabschneider, die sich auf Kosten anderer bereichert haben. Und er weiß das und bringt es im Gebet vor Gott. Ich hoffe, dass er dann auch wie der Zöllner Zachäus das Geld, das er sich genommen hatte, den Menschen zurückgegeben hatte. Ebenso wie ein Steuerhinterzieher, seine Zockerei und Steuerhinterziehung bereut hat und jetzt die Steuern nachzahlen. Ja, jeder hat auch seine Schattenseiten. Das ist schon mal die grundlegende Erkenntnis.

 Auch du hast deine Schattenseiten. Jede und jeder von uns. Manche davon kennst du. Manchmal wird es dir auch gar nicht so bewusst, wenn du jemand anderen verletzt oder benachteiligt hast. Aber es ist gut, wenn du weißt: Ich bin nicht perfekt. Ja, Niemand ist perfekt, niemand ist fehlerfrei. Wenn man sich das eingesteht, eingestehen kann, dann können andere bei dir auch zugeben, wenn sie mal Mist gebaut haben. Es ist gut, wenn Du es dir und anderen sagen kannst. Du musst nicht  den Anspruch haben, immer toll sein zu müssen, immer der Beste oder die Gutaussehendste. Du bist nicht perfekt. Niemand ist das: Und es läuft nicht immer alles rund auch zwischen euch Eltern und euren Jugendlichen Kindern. Man muss sich immer wieder mal auseinandersetzen und manchmal anschreien und manchmal aus dem Weg gehen. Aber es tut gut, wenn man sich dann auch wieder aussprechen kann. Wenn beide Seiten zugeben können, dass man über ́s Ziel hinausgeschossen ist. Wenn man die Liebe wieder spürt, die doch auch hinter dem Zoff steht. Wir haben darüber gesprochen im Konfiunterricht.

3. Station: Jesus sagt: „Dieser Zöllner ging gerechtfertigt hinab in sein Haus.“

Von diesem und anderen Worten Jesu her ist die Beichte entstanden. Ich kann meine Schuld vor Gott ablegen. Es vergibt mir und rechtfertigt mich. Das bringt viel mehr als wenn ich mich selbst rechtfertige, herausrede, trickse, verschweige und mich dabei immer mehr verstricke. Nein, ich muss nicht durch meine Leistung perfekt werden. Denn muss auch dann nicht perfekt werden. Ich darf weiter ehrlich sein und zu mir stehen so wie ich bin. Manchmal werde ich wieder Mist bauen. Vielleicht nicht denselben nochmal. Aber Gott nimmt mich so an, wie ich bin. Er sagt: „Du bist richtig“. Und das was du verbockt hast, nehme ich dir ab. Weil Jesus zum Sündenbock für alle wurde und dann von den Toten auferweckt wurde. Darum braucht dich deine Schuld nicht mehr zu belasten. Du kannst sie bei ihm loswerden

Wichtig ist allerdings, dass du daran glauben kannst, dass du sie los wirst. Wenn du ́s nicht glaubst, funktioniert es auch nicht. Aber wenn es echt ist wie bei dem Zöllner: „Gott, sei mir Sünder gnädig“ dann ist er das auch, und du kannst gerechtfertigt, das heißt befreit, frei und beschwingt in dein Haus zurückgehen. Das ist Gottes großes Angebot heute. Wie er dir in der Taufe gesagt hat. „Du bist mein Kind. Du bist mein ganz einzigartiger Gedanke.“! So zeigt er dir in der Beichte, dass du so sein darfst wie du bist: mit deinen Schwächen und dunklen Seiten, aber ohne dass die Schuld dich belasten muss. Er nimmt sie dir ab.

Darum werden wir euch dann bitten, eure Schuld, all den Mist der belastend sein kann aufzuschreiben. Darum werden wir dann, nachdem ihr auch gesagt habt, dass ihr das Belastende vor Gott bringen wollt und er euch befreien soll. Und diese Zettel werden verbrannt werden. Und dann: Geht gerechtfertigt, entlastet und locker, erleichtert zurück. Im gemeinsamen Abendmahl wollen wir das erlebt noch einmal bestärken. Und später geht in eure Häuser zurück und redet nochmal miteinander über das, was in der Kinderzeit großartig und das, was nicht so toll gelaufen ist. Und morgen feiern wir miteinander, dass Gott euch segnet und in eure immer selbstständigere Zukunft weiter begleitet.

Amen.

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