Online-Gottesdienst am Sonntag Exaudi, 16. Mai 2021

 

Predigt:

Prädikantin Gabriele Hantke

"Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke"

Gebet

Christus, König der Herrlichkeit, du bist erhöht über alle Welt und siegreich emporgestiegen über alle Himmel.

Stille unseren Durst nach Leben durch deine Gegenwart und sende uns deinen Geist, der Leben schafft und erhält.

Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Amen.

Lasst uns miteinander in der Stille um den Segen der Predigt bitten. (Stille)

Der Herr segne Reden und Hören. Amen.

Vor vielen Jahren waren wir als Studentengruppe in Israel. Natürlich haben wir die ganzen wichtigen Orte besucht – den See Genezareth, Bethlehem, wir waren am Jordan und in Jerusalem, in En Gedi und Massada.

Und wir haben eine mehrstündige Wüstenwanderung, z. T. durch ein Wadi, ein ausgetrocknetes Flusstal gemacht. Unser Reiseleiter hat dafür gesorgt, dass wir eine reichliche Menge Wasser mitgenommen haben. Und regelmäßig gab es Stopps mit der Anweisung: Trinken! So schön und interessant diese Wanderung war, so anstrengend war sie. Und etwas, was mir davon noch in Erinnerung geblieben ist, ist unsere Freude, als am Zielpunkt unser Reisebus stand, und der Fahrer uns mit frischem kühlen Wasser versorgte!

Denn trotz der Aufmerksamkeit unseres Führers – wir begannen zu ahnen, was richtiger Durst heißt! Einige von uns hatten Kopfschmerzen, alle waren wir schlapp. Und allen gab das frische Wasser neue Energie! Wie sehr wir das doch brauchten, damit der Körper nicht streikte und wieder richtig funktionierte!

Daran musste ich bei unserem heutigen Predigttext denken.

Predigttext (Joh 7,37-39):

Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Herr, gib uns ein Wort für unser Herz und ein Herz für dein Wort. Amen.

Am letzten Tag des Festes – eine kurze Notiz am Beginn des Predigttextes.

Gemeint ist hier das Laubhüttenfest, das die Menschen in Jerusalem feierten. Dieses Fest ist auch heute noch neben dem Passa- und dem Wochenfest eines der großen jüdischen Feste. Es ist ein Erntefest, und es erinnert an die 40 Jahre, die die Israeliten nach der Befreiung aus Ägypten in der Wüste verbracht haben – ohne feste Behausung, unterwegs ins gelobte Land.

Zur Zeit Jesu war dieses Fest verbunden mit einem Wasser- und Schöpfritual: Der Priester schöpfte dabei Wasser aus der Schiloah-Quelle und umschritt mit dem Krug 7mal den Brandopferaltar im Tempel, bevor er das Wasser am Ende dieser Prozession in die dafür vorgesehene Schale goss. Dieser Ritus war dabei ein Zeichen der Freude und Dankbarkeit für Gottes heilvolle und heilbringende Gegenwart und Nähe.

Eigentlich ein schöner Ritus! Schaut her, so, wie das Wasser uns erfrischt und Kraft gibt, so gibt Gott uns Kraft und neue Energie!

Man ist gewöhnt an diesen Ablauf. Jedes Jahr wieder. Da läuft vieles automatisch ab.

Und genau hier stört Jesus! Ist es während der Wasserprozession oder kurz danach – sei’s drum. Jedenfalls in absoluter zeitlicher Nähe. Und was sagt er da?

Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

Der komme zu mir!! Ich bin es, der euren Durst stillt! Das muss für die Umstehenden eine ziemliche Provokation gewesen sein. Immer wieder geschieht das – und das Johannesevangelium macht es an verschiedenen Stellen besonders deutlich:

In Jesus kommt uns Gott ganz nahe!

Jesus ruft die Menschen um sich herum auf: Kommt zu mir, hört auf mich, folgt mir nach. Kommt direkt zu Gott, zur eigentlichen Quelle!

Ich gebe zu, ich bin ein Fan von liturgischen Gottesdiensten. Und ich mag unsere christlichen Rituale. Aber ich möchte mich von Jesus immer wieder hinterfragen lassen: Feierst du das Ritual, weil es so schön ist, weil du dich so daran gewöhnt hast? Oder bringt dich das Ritual zu Gott?

Wende Dich an Gott! Suche immer wieder den direkten Kontakt zu ihm! Verstecke dich nicht hinter Konventionen, hinter Worthülsen.

Komme zu mir und trinke! Wie kann das gehen?

Wie komme ich zu der Quelle, die meinen Durst stillt?

Die Jünger hatten Jesus direkt vor sich. Sie konnten ihn fragen. Sie konnten ihm alles ins Gesicht sagen. Das ist seit Himmelfahrt so direkt nicht mehr möglich.

Und doch: Wir können beten. Wir können ihn bitten, uns den Weg zu zeigen, wenn wir unsicher sind. Wir können unseren Kummer und unsere Freude mit ihm teilen – im Gebet. Nehmen wir uns die Zeit! Beginnen wir den Tag mit ihm! „Guten Morgen, Jesus! Heute freue ich mich auf den Tag! Geh bitte mit mir!“ oder auch „Jesus, dieser Tag macht mir Sorgen! Dies und das steht vor mir! Kannst du mir helfen?“

Was hindert uns, wenn wir das Haus verlassen, Jesus, Gott zu bitten, mit uns zu kommen?

Ich habe manches Mal, wenn ich ein Klassenzimmer mit Schülern betreten habe, die als schwierig gelten, ein Stoßgebet gesprochen: Bitte, komm mit. Mach mich ruhig. Und segne diese Kinder, diese jungen Leute. Es ist nicht immer alles super gelaufen dann, aber es hat mich nicht völlig runtergezogen.

Wir können auf Ihn hören. Das tun wir, wenn wir den Gottesdienst besuchen, den Lesungen zuhören, wirklich zu-hören, die Predigt hören und bedenken, die Gebete, die im Gottesdienst auch von anderen gesprochen werden, als unser Gebet mitsprechen. Wenn wir, wie heute, den Gottesdienst als Zoom-Gottesdienst besuchen, oder die Predigt auf der Homepage nachlesen, oder sie nach Hause geschickt bekommen.

Das können wir tun, wenn wir in der Bibel nicht nur ein dekoratives Buch im Bücherregal sehen, sondern wenn wir sie auch immer wieder zur Hand nehmen und selber darin lesen.

Da mag jeder und jede seine und ihre Weise des Lesens finden – ob man die Bibel von vorne nach hinten liest (vielleicht nicht der einfachste Weg), ob man sich erst einmal an die Evangelien wagt, ob man sich an Bibellesepläne hält – es gibt viele Möglichkeiten. Schon das Bedenken der Losungen und Lehrtexte ist eine Zuwendung zur Quelle! Aber tun wir’s!

Ich weiß, das ist in der augenblicklichen Lage der Pandemie nicht einfach – aber wir können die Bibel auch zusammen mit anderen lesen, in Bibelkreisen, Hauskreisen. Vielleicht gelingt es dem einen oder anderen dieser Kreise auch, das im Moment online zu tun. In Haarbrücken haben wir das Wagnis begonnen und treffen uns im Bibelgesprächskreis seit Februar in Form einer Videokonferenz.

Kehren wir zur eigentlichen Quelle zurück, wenn wir unsere christlichen Feste auch ihrem Sinn gemäß feiern! Befreien wir die Feste von dem Drumherum aus Konsum und Dekowahn und ablenkendem Beiwerk! Rentiere und Wichtel führen uns nicht zum Kern des Weihnachtsfestes, hoppelnde Häschen und Schoko-Goldhasen nicht zu dem des Osterfestes, Sauftouren mit Bollerwagen haben herzlich wenig mit Christi Himmelfahrt zu tun! Besinnen wir auf das, was uns diese Feste verkünden wollen – die Mensch gewordene Liebe Gottes, Jesu Sieg über den Tod und die damit verbundene Hoffnung, Jesus, der zwar nicht sichtbar bei uns ist, der aber, aber seit er in Gottes Reich aufgefahren ist, an Gottes Seite erst recht bei uns ist, der uns nicht allein lässt, sondern in seinem guten Heiligen Geist uns Kraft und Trost gibt!

In dem neuen Liederbuch gibt es ein Lied:

Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir, mein guter Gott! Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt!

Du bist die Kraft, die Leben schenkt, eine Quelle, welche nie versiegt. Ströme von lebendigem Wasser brechen hervor.

Du bist die Liebe, die befreit, die vergibt, wenn uns das Herz anklagt. Ströme von lebendigem Wasser brechen hervor.

Kommen wir doch zurück zu diesem lebendigen und lebenspendenden Wasser!

Das ist die Erfahrung, die Menschen immer wieder machen, wenn sie sich Jesus zuwenden: dass er ihnen Kraft gibt, indem er sie von Schuld befreit, ihnen den Weg zeigt, indem er sie heilt. Das ist das lebendige Wasser, das Jesus meint.

Menschen, die ihren Durst an dieser Quelle stillen, können oft gar nicht anders, als davon weiterzugeben!

Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. So drückt es Jesus aus.

Sie kennen wahrscheinlich alle den Schalenbrunnen vor dem Schloss Rosenau. Die erste Schale wird gewissermaßen von oben mit frischem Wasser gespeist. Die Schale lässt sich füllen, behält das Wasser aber nicht für sich, sondern gibt es weiter an die nächste Schale, fließt über davon, was sie erhalten hat.

Das ist doch ein Sinnbild für unser Leben als Christen in dieser Welt! Wenn wir an Jesus glauben, ihm vertrauen, uns immer wieder neu von ihm füllen lassen, dann können auch wir etwas davon weitergeben.

Wir können davon erzählen, dass wir und alle Menschen Gottes geliebte Kinder sind. Wir können vorleben, was Leben aus der Vergebung heißt, können Vergebung und Versöhnung weitergeben, können mit anderen und für sie beten. Wir können für andere da sein, die unser Ohr oder unsere helfenden Hände brauchen.

Wenn wir uns von Jesus Christus die Herzen und die Hände füllen lassen, dann wird es uns auch ein Anliegen sein, dass es unserem Nächsten gut geht, dass wir uns für die Schwachen einsetzen, dass wir für unsere Schöpfung sorgen.

Was könnte das für positive Auswirkungen auf unser Land und unser persönliches Umfeld haben! So, wie strömendes, frisches Wasser das Land zum Grünen und Blühen bringt, so könnte das Weitergeben der Liebe Gottes unsere Gesellschaft zum Blühen bringen.

Wenn die Schalen im Brunnen das Wasser nicht weitergeben, wenn sie es stehen lassen, dann wird das Wasser brackig, abgestanden und schal – das Gegenteil von frisch und lebendig. Deswegen ist unser Christsein ein Geben und Nehmen. Deswegen können wir das, was wir von Gott erfahren haben, nicht für uns behalten. Deswegen dürfen und sollen wir uns immer wieder von Gott, von Jesus, von Gottes gutem Geist das Herz und die Hände füllen lassen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Fürbitten

Allmächtiger, barmherziger Gott,

du bist uns Menschen gleich geworden in Christus, deinem Sohn. Er herrscht mit dir über Himmel und Erde und tritt für uns ein.

Durch ihn bitten wir dich:

Für alle, die Christus als den wahren Herrn verkünden: Gib ihrem Zeugnis Kraft durch den Heiligen Geist.

Für alle, denen du Macht über andere verliehen hast: Gib ihnen den Mut, den Menschen zu dienen.

Für alle, die unter Krieg und Gewalt leiden: Beende dieses Leid und lass Frieden und Vernunft einkehren.

Für alle, die Angst haben vor der Zukunft: Stärke ihr Vertrauen auf Christus und seine Gegenwart.

Für alle, die sich nach Trost und Hilfe sehnen: Sende sie in der Kraft deines Geistes.

Für alle, die krank sind und alle, die für die Kranken da sind: Schenke du Heilung und gib den Pflegenden und Behandelnden Kraft.

Für unsere Verstorbenen: Lass ihnen das Licht deiner Herrlichkeit leuchten.

Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist uns vorangegangen auf dem Weg zum Leben. Durch ihn loben wir dich, durch ihn beten wir dich an, durch ihn danken wir dir in deiner Kirche, heute und jeden Tag, in Ewigkeit.

Amen.