Gottesdienst in St. Johannis am 3. Advent - 16. Dezember 2018

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St. Johannis

Predigt:
Diakon Günter Neidhardt

"Lächle heute. Jammer morgen!"

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott unserem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. 

Predigttext: Römer 15,4-13
Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre. Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Beschneidung geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind; die Heiden aber sollen Gott die Ehre geben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht »Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.« Und wiederum heißt es »Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk!« Und wiederum spricht Jesaja »Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker; auf den werden die Völker hoffen.« Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. 

Bitten wir Gott in der Stille um seinen Segen für sein Wort. 

Liebe Gemeinde, 

»Weil ich dich mag«, so heißt eine Postkartensammlung von Royne Mercurio. (https://loveli.eu) Mit seinen Cartoons will der schwedische Illustrator die Welt ein wenig schöner machen. Und das gelingt ihm auch. Seine Figuren sind sehr einfach gezeichnet. Strichmännchen mit kullerigen Köpfen und großen, meist ungleichen Augen. So einen so kleinen Cartoon finden sie abgedruckt auf dem Gottesdienstblatt. Vielleicht ergeht es beim Betrachten dieser kleinen Zeichnung und dem Spruch wie mir: Ein Schmunzeln entsteht in meinem Gesicht. 

Überflüssige Details lässt er weg und beschränkt sich auf das Wesentliche, auf den Ausdruck. Und dazu gibt es markante Schmunzeltexte. Zum Beispiel: „Auf diesem Planeten gibt es alles, was ich mag. Sauerstoff, Kekse und dich.“ Und das dazugehörige Männchen hat seinen Keks schon fast aufgegessen. Oder: „Wo es Schokolade gibt, ist Hoffnung.“ Und darunter ein hoffnungslos mit Schokolade verschmiertes Strichmännchen mit einem seligen Blick. Genau so schön: „Lächle heute! Jammer morgen! Und lies das jeden Tag.“ 

Angefangen hat alles mit einem Stern, erzählt Mercurio, der für die Öffentlichkeitsarbeit der schwedischen Landeskirche Linköping verantwortlich ist: „Irgendwann war mir, als würde ein kleiner Stern zu mir sagen: Folge mir! (…) Da wusste ich, dass ich mich nur trauen muss, von loveli (so heißt das Strichmännchen) und seinen Freunden zu erzählen und so unzähligen Menschen Freude, Hoffnung und Mut zu schenken.“ 

Hoffnung zu schenken, was für ein schöner Vorsatz! Aber auch ein schwieriges Unterfangen in unserer Zeit. Hoffnung zu schenken, das wäre doch was, zu Weihnachten dieses Jahr. Hoffnung, ein Geschenk, das wir immer brauchen können 

Aber was macht uns Hoffnung? Durch was lassen wir, durch was lassen Sie sich Hoffnung schenken? Was löst Hoffnung aus? Und wie fühlt es sich überhaupt an, das Gefühl der Hoffnung, Hoffnung zu haben? 

Ein Beispiel: Im Juli dieses Jahres war die Rettung einer Jugendfußballmannschaft aus Höhlen in Thailand so ein Hoffnungszeichen. Sie erinnern sich bestimmt. Täglich wurde darüber in den Medien berichtet, die Hoffnung auf Rettung wurde immer wieder neu entfacht. Freilich ist bei den Rettungsarbeiten auch ein Mensch gestorben. 

Haben Sie private Hoffnungsgeschichten? Geschichten, die Ihnen Hoffnung gegeben haben? Die Sie ermutigt und gestärkt haben, die Sie mit Freude angefüllt haben? Lassen sie doch mal die letzte Zeit Revue passieren. 

Noch ein Vorschlag. Drei Kerzen gegen die Dunkelheit brennen heute am Adventskranz. Ja, Advent und Kerzen am Kranz sind ein Zeichen für das Zunehmen des Hoffnungsschimmers. 

Der Adventskranz ist eine Hoffnungsgeschichte. Jede weitere angezündete Kerze weist darauf hin, dass Weihnachten immer näher kommt. Das Licht wird immer heller, immer stärker. Das Warten hat bald ein Ende! Kerzen gegen die Dunkelheiten der Zeit. 

Oder: Zacharias. Eine Geschichte der Hoffnung. Wir haben den Lobgesang des Zacharias als Lesung gehört. Die Geschichte von Elisabeth und Zacharias nimmt am Anfang des Lukasevangeliums einen breiten Raum ein. Sie ist eine Hoffnungsgeschichte für ein altes kinderloses Ehepaar, parallel und doch nicht parallel zu Maria und Josef. Und Zacharias’ Hoffnungen werden bei Weitem übertroffen, so dass er, der endlich wieder sprechen kann, und dieses große Loblied anstimmt. 

Noch eine Idee: Briefe als Hoffnungsschimmer. Neben Geschichten und Liedern sind auch Briefe Hoffnungsträger. Menschen die den Krieg erlebt haben, deren Männer, Söhne, Väter Soldaten waren. Welch‘ Hoffnungszeichen war da ein Feldpostbrief. Ein Lebenszeichen, das Hoffnung in die Heimat gesendet hat. Und heute, Briefe werden ja nicht mehr soviel geschrieben, da fallen mir die Menschen ein, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind. Wie wichtig ist da der Kontakt zu den Familienangehörigen die zurückblieben. In Krieg, Gewalt und Chaos. Gott sei Dank gibt es da die Handys mit denen Kontakt gehalten werden kann. Gott sei Dank wenn die Nachricht kommt: Wir sind noch am Leben. Wir haben die Bombardierung überlebt. 

Auch Paulus will mit seinen Briefen Hoffnung wecken und am Leben erhalten. Am Anfang des Briefes an die Römer formuliert Paulus dezidiert, ganz genau die Hoffnung, die Gemeinde in Rom zu besuchen, damit sie sich gegenseitig ermutigen und trösten. Der Brief fungiert sozusagen als Vorbote des Paulus. Ein Hoffnungsbrief! 

Paulus hofft, mit seinen Zeilen der Gemeinde in Rom Orientierung und auch Hoffnung zu geben. Die Hoffnung auf Einmütigkeit der Christengemeinde. „Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat“. Hoffnung auf ein erlöstes Leben, Hoffnung auf Heil für alle Völker. Unabhängig von ihren religiösen Vorerfahrungen.(Heiden nennt Paulus sie). 

„Freut euch ihr Heiden mit seinem Volk“ Auch die Mahnungen des Paulus sind nur aus dem Grund geschrieben, dass sie Hoffnung bei den Leserinnen und Lesern wecken und stärken sollen. In unserem heutigen Predigttext zitiert Pauls mehrmals Worte aus dem Alten Testament. Und das sind Verheißungen Gottes: 

Schriftzitate als Leuchtfeuer aus der Vergangenheit, als Hoffnungsschimmer für heute. Gerade sie zeigen, dass die Botschaft des Paulus nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern sich bereits aus einem sehr alten Hoffnungsschimmer nährt. Die Hoffnung auf den kommenden Messias, die Erfüllung dieser Hoffnung in Christus: Und so zitiert er Jesaja mit den Worten „Es wird kommen ein Spross aus der Wurzel Isais, und der wird aufstehen, zu herrschen über die Völker, auf den werden die Völker hoffen.“ 

Auch sie kommen daher wie Lieder, die von der Hoffnung singen. Für Paulus erfüllen sich die alttestamentlichen Hoffnungen in Christus. Paulus schreibt an die Römer und an uns einen Hoffnungsbrief. Vielleicht ist der Hoffnungsbrief des Paulus an vielen Stellen für uns heute etwas schwer zu verstehen. Diese Ausdruckweise des Paulus macht uns etwas Mühe. So kurze und prägnante und vor allem auch bebilderte Hoffnungskarten wie von Royne Mercurio sind viel einfacher zu verstehen. 

Dennoch ist es wichtig, vielleicht gerade heute in unserer ausdifferenzierten Welt aus verschiedenen Hoffnungsquellen schöpfen zu können. Alte Quellen wieder neu zu nutzen, Geschichten von Hoffnung – aus vergangenen Zeiten und von heute – zu erzählen und Lieder darüber zu singen, Briefe oder einfach eine Karte zu verschicken. Vielleicht sogar mit geliehenen, hoffnungsvollen Worten: 

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes. 

Amen.

 

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